Feedback


In den letzten Wochen konnte ich mit lieben Gästen das Olivenöl-Seminar auf Kreta erleben.Dazu habe ich gestern von Almut und Andreas aus Falkensee folgendes Feedback bekommen. Vielen Dank dafür!

Kreta mit allen Sinnen erfahren,
oder warum ein Liter Olivenöl Nativ extra nicht unter 5 Euro kosten kann

Kennen Sie das, Sie haben Ihren Urlaub generalstabsmäßig geplant. Den Reiseführer noch vor Antritt von A bis Z durchgearbeitet, sich sogar ein paar Höflichkeitsformeln in der für Sie fremden Sprache gemerkt, zwei Urlaubswochen dort zugebracht, alle sehenswerten Punkte aufgesucht, die Insider-Tipps besucht, mit den Einheimischen mit Händen und Füßen geredet, und doch… . Ja! der Urlaub war schön, aber eine gewisse Distanz zu Land und Leuten blieb.
Das Gegenmodell zu Ihrer Art des Reisens: eine Woche Olivenölseminar auf Kreta. Obwohl nur eine Woche lang und alle „offiziellen“ Sehenswürdigkeiten konsequent vermieden wurden, hat man danach das Gefühl Kreta so gut zu kennen wie kaum ein Urlaubsziel zuvor.
Was Ihnen bisher gefehlt hat, ist ein Kreta – Botschafter. Damit ist nicht der Trester-Schnaps Tsikoudia gemeint, den fast jede Familie nach ihrem eigenen Rezept herstellt und der somit so unterschiedlich schmeckt, wie die Insel sich dem Besucher zeigt; und den man mit einer selbstverständlichen Gastfreundlichkeit serviert bekommt, als ob man sich schon Jahre kennt. Und mit Botschafter ist auch nicht das kretische Exportprodukt Nummer eins, das wahrscheinlich beste Olivenöl mit seinem extrem niedrigen Säuregehalt von deutlich unter 0,8% gemeint. Kein Wunder, dass andere Produzenten nun vermehrt das hochqualitative kretische Öl aufkaufen, um ihres aufzuwerten. Warum dieser so entscheidende Qualitätsparameter dennoch nur sehr vereinzelt auf Olivenölflaschen anzutreffen ist, ist ein eigenes Kapitel auf dem Olivenölseminar und ein Lehrstück von EU-Bürokratie und Lebensmittel – Lobbyismus um nicht von mafiösen Strukturen reden zu müssen. Letztendlich hat es mit Milliarden Euro und einer Geiz – ist – geil – Mentalität der Konsumenten zu tun. Und so wird ein Preis von unter 5 Euro pro Liter für ein Olivenöl nativ extra zu einem umgekehrten Qualitätsparameter.
Was Ihnen gefehlt hat, ist ein in Kreta verliebter Kulturbotschafter. Jemand der sich der Insel, den Menschen, der Landschaft, der Natur und insbesondere den bis zu 5.000 Jahre alten Olivenbäumen voll und ganz widmet. Einer der mit der Insel, statt nur auf der Insel lebt und trotz dieser Liebe nicht mit einer rosaroten Brille rum läuft, sondern auch neue Sachen anschiebt oder auch mal Kritik übt. Und diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit. Anders ist es nicht zu erklären, dass er vor Jahren in einer kleinen Zeremonie einen griechischen Namen verliehen bekommen hat und nun Wassilis Dornakis statt Willi Dorn heißt. Und nur weil er voll akzeptierter Dorfbewohner ist, kann er in „seinem Dorf“ etwas verändern. So steigen die örtlichen Olivenbauern vermehrt auf ökologischen Anbau um und schenken nun der Öl-Qualität mehr Aufmerksamkeit als der Quantität. Denn ähnlich wie beim Wein hat die Art der Ölgewinnung einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität und den Geschmack. Werden Kerne und Haut zerstört und das Oliven-Mus stärker gepresst erhöht man zwar die Ölmenge, es gelangen aber auch vermehrt Bitterstoffe in das Olivenöl und verursachen dann den kratzigen, im Hals brennenden Geschmack und übertönen den feinen grasig – krautigen Geschmack von frischem Olivenöl.
Dreht sich ein solches Seminar nur um Olivenöl? Nein, denn Olivenöl ist zwar das Hauptthema aber Land und Leute in ihrem unmittelbaren (Arbeits-)Umfeld auch mit ihren aktuellen politischen Problemen stehen im Mittelpunkt. Man erlebt Kreta so intensiv wie man es selbst nicht könnte nur eben jenseits der großen Touristenattraktionen. Da führt eine Wanderung durch eine für Kreta so typische Schlucht, vorbei an einer alten Kapelle, aber eben ohne Touristenmassen, dafür kreisen Gänsegeier über einem. Und plötzlich steht da wieder einer dieser wundervollen alten, knorrigen geradezu majestätischen Olivenbäume mit über 1000 Jahren auf dem Buckel. Die Kraft, die von einem solchen Baum ausgeht, ist mindestens so erholsam wie 3 Urlaubstage. Oder man streift durch ausgedehnte Olivenbaumkulturen, berauscht sich an dem Lichtspiel in diesen Plantagen, lauscht dem Gesang der Zikaden, redet über die unterschiedlichen Oliven-Sorten und erfährt, dass mit den Sortenunterschieden nicht nur Geschmacksunterschiede einhergehen, sondern sich auch die Ernteverfahren unterscheiden. Dann plötzlich ein Exemplar einer Ursprungsform des noch unkultivierten Olivenbaumes. Wussten Sie, dass Olivenbäume vor über 50.000 Jahren bereits kultiviert wurden und damit die älteste Kulturpflanze ist. Rechtzeitig zur Mittagszeit geht es in eine kleine Taverne zu einem aus typischen Gerichten zusammengestellten Mittagsmahl, nicht ohne vorher das dargebotene Olivenöl zu testen und alles wieder mit einem gespendeten Tsikoudia runterzuspülen. Frisch gestärkt führt der Weg dann weiter zu einer uralten Steinbrücke über einen kleinen Bach, um dann vor den Überresten einer alten wasserbetriebenen Ölmühle zu stehen. Und während einer kurzen Zwischenrast wird auch mythologisches zum Olivenbaums in den griechischen Sagen beleuchtet. So verschmelzen Landschaft, Kultur und Olivenöl zu einer Einheit, die ein sehr rundes Gesamtbild von Kreta erzeugen. Danke für diese intensive Woche.

Almut und Andreas aus Falkensee

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